bontje
- frische musik
independent-pop-radio
auf FLoK, FM 107.1 MHz
Playlist
Mittwoch, 20. Mai 1998,
19 bis 20 Uhr, UKW 107.1 MHZ
| KREIDLER
au-pair
(extended version, aus: Au-Pair CDEP oder Appearance and the Park CD, beide Kiff-SM/Pias 1998) |
Marc sagt:
Einhaendige Wenigtonlaeufe auf Tasten, erst unterer, dazu oberer Register (Bontempi), dann Schlagzeug, dann treppab stufende Flaechen. Die dritte Minute bringt den Basslauf, die fuenfte Handclaps (ugh!), Zieleinlauf bei 5:46. Das istMusik vom Reissbrett, Kopfspiel mit Wiederholungen, doch mit Zeit entsteht ein Modell aus drei Dimensionen. Baukloetze werden verschoben, entfernt und wieder eingesetzt, und der zunaechst so flache, kalte Track wird ein Song und tief und oeffnet sich, gewinnt mit jedem Hoergang. Seit Weekend (1996) zeigen sich Kreidler feiner, klueger, abstrakter - Postler und Rockisten muessen draussen bleiben. Die Single bietet nur einen echten non-album track (Gain) und lohnt nur fuer Sammler. Appearance and the Park ist toll und hat Komma- sowie zwei Rechtschreibfehler im, ahem, ambitionierten Englischtext auf dem Aftercover. Do Kreidler Dream of Electric
Sheep?
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| JOE TABU aktion kopfsalat
(aus: V. A.: "Musik fürs Wohnzimmer. 21 Klangbeispiele in Zimmerlautstärke", CD, Monika 1998) |
Bernd sagt:
Das nervöse Klirren und Klackern eines Schlagzeugcomputers wird bald zum Quasi-Drum'n'Bass. Dahinter schon ein Gemisch aus mulmigen Synthetik-Tönen, das nur mühsam ein Fiepsen überdecken kann. Da braut sich etwas zusammen. Wir ahnen Dunkles. Und wie zur Bestätigung tragen die Baßsaiten einer angezerrten Gitarre ihr müdes, aber unruhiges Thema vor... Entfernt erinnert mich das Stück an Max Goldts Instrumentalstücke: ernst und oft düster, aber ohne zur Pose zu geraten. "Aktion Kopfasalat" ist mein Favorit auf dieser Homerecording-Kompilation, die als Werkschau der Berliner Wohnzimmerkonzertreihe Reihe "Hausfrau im Schacht" konzipiert ist. |
| SCHLAMMPEITZIGER
honktytonk schlickummpittz (aus: Spacerokkmountainrutschquartier, LP, A-Musik 1998) |
Marco sagt:
Die totale Verarschung auf 70er-Mainstream-Synthie-Pop a la Jean-Michel Jarre. Oder einfach nur schön? Es federt und bounct jedenfalls auf das allerniedlichste. Hippes Zeug aus den A-Musik Kellern und Schlafzimmern mit Anleihen an die großen Kraftwerk. Mir gefällt's. |
| BELLE & SEBASTIAN
electronic renaissance (aus: Tigermilk, LP 1995) |
Marco sagt:
80er Elektronik-Sounds der 90er von "unser aller Lieblinge" Belle & Sebastian. Bei Saturn verstauben die CD's im Folk-Regal, obwohl sie doch Indiepop's liebstes Kind sind... denn hierzulande sind die Glasgower immer noch weitestgehend unbekannt.Tatsächlich hören wir hier einmal nicht die für B&S typischen folkigen Gitarren, gekoppelt mit allerlei traditionellen Instrumenten wie Trompete, Cello etc., denn für diesen Song haben sie alte Synthesizer und Drum-Computer ausgepackt und wandeln auf den Pfaden von 80er New Wave (eine große Ausnahme!). Kürzlich von Matador gesignt dürfen wir bald mit einer neuen LP rechnen - und vielleicht auch mit einer Wiederveröffentlichung von "Tigermilk"...? |
| GARBAGE lick the pavement
(aus: Push it, CDsingle, BMG 1998) |
Marc sagt:
Der Titel ist zu scheisse fuer Worte, habe ich in der Sendung vergessen. Das schnellste Stueck auf der Single schabt rechts metallen und will uns links um die Ohren fetzen, bloss dass nicht recht rocken mag, weil Loeffel steckt in dem saemigen Brei. Digitaler Studioschmutz aus dem Studio ist nicht charmant, und was 1995 frisch war und aufregend, ist heute nur noch gestern. Garbage haben nicht gewagt, und deshalb geht die Selbstironie des Albumtitels Version 2.0 nach hinten los. Denn tatsaechlich gibt es nur einen Aufguss, ein Update des Erfolgsprogramms, und ploetzlich steht die Softwareschmiede Garbage nicht mehr fuer cutting edge, sondern Mainstreamrock. Alle Erwartungen erfuellt, die Hoffnungen enttaeuscht, steht das Resultat in ungesundem Missverhaeltnis zum ueberall kolportierten Aufwand der Produktion, und das kann man traurig finden. |
| THE FALL masquerade
(Single-Mix, aus: Masquerade, CD One und Masquerade, CD Two, CDSingles, Artful 1998) |
Bernd sagt:
The Fall haben schon seit Anfang der 90er mit elektronischen Sounds aus dem Bereich moderner Tanzmusik rumgetüftelt. Dabei kultivierte die eigentliche Gitarren-Band ein gepflegtes Auf-die-Nerven-gehen und verweigerte sich elitär jeglicher Dancefloor-Dramaturgie. Ähnlich auch hier: Das Drum-Pattern, das der Album-Version unterlegt ist, zitiert eher ironisch modernen Club-Sound, als daß es den Song tanzbarer machen will. Im übrigen stehen im Weg: Ein Piano-Loop, das sich in die falsche Tonart verirrt hat und beizeiten das Gebrabbel einer gewissen Basil. Wie auf der Album-Version bereits dagegen Mark E. Smiths notorischer Sing-Sang. Wie immer mit einer derart entwaffnenden Lässigkeit vorgetragen, daß jeder Zweifel an der Großartigkeit dieser Musik nur unsinnig wirken kann... |
| THE BAD EXAMPLES song electrique
(aus: the river the night the moon temptation and you, CD, AtaTak 1997) |
Marco sagt:
Kein doofes Easy-Listening, sondern stilvoll arrangierte Instrumentals zwischen Neuen Electronica und Kammermusik-Pop aus dem Düsseldorfer Hause AtaTak. Wieso ist das nicht der Riesen-Abräumer des letzten Sommers in Lounge-Kreisen geworden? Wer weiß, vielleicht ist diese Musik einfach zu wertvoll, um dazu Cocktails zu schlürfen... |
| PETER THOMAS schüsse aus dem
geigenkasten suite 2
(aus: 100% Cotton, Crippled Dick Hot Wax 1997) |
Marco sagt:
Der große alte Mann der deutschen Filmmusik ist nach der Wiederveröffentlichung der "Raumpatrouille" (1996 auf Bungalow) mit dieser "100% Cotton" betitelten Compilation wieder da. File under "essential listening" und stelle in eine Reihe mit Schifrin, Barry, Bacharach, Hübler & Schwab et al. |
| CONTRIVA smoking
(aus: V. A.: "Musik fürs Wohnzimmer. 21 Klangbeispiele in Zimmerlautstärke", CD, Monika 1998) |
Bernd sagt:
Mein zweites Lieblingsstück vom Wohnzimmer-Sampler aus Berlin. Auffallend die wohlig-schnurrende Rhythmus-Gitarre, gekoppelt mit schönen Orgeltönen: eine kleine Melodie, die von einem luftigen, aber sicheren Arrangement gestützt wird. Nur im B-Teil bricht der Song kurz auf, franst etwas an den Rändern aus, um auch mal Schlagwerk und Baß nach oben zu lassen.Das alles ist gekonnt, klug und unaufgeregt. Folgerichtig auch das unspektakuläre A-B-A-B-Schema. Form follows function. Kurzum: von klassischer Schönheit, aber nicht sexy. |